Neue Grenze zur GWG-Abschreibung

24.08.2018 · ca. 3 Minuten Lesezeit

Seit dem 01.01.2018 gelten die neuen Wertgrenzen für die GWG-Sofortabschreibung gem. § 6 (2) S. 1 EStG von 800 Euro. Bis zum 31.12.2017 liegt die entsprechende obere Wertgrenze bei 410 Euro.

Gesetzesgrundlage: § 6 (2) EStG

Hintergrund

Die Grenze für die Einteilung der GWG betrug seit Einführung des Euro (und auch davor) 410 Euro, dies entsprach damals 800 DM und resultierte aus der Währungsumrechnung. Im Zeitalter von Handys, Notebooks etc. ist dieser Betrag nicht mehr zeitgemäß, so dass die neue Grenze von 800 Euro lt. § 6 (2) S. 1 EStG erstmals gem. § 52 (12) S. 3 EStG bei Wirtschaftsgütern anzuwenden ist, die nach dem 31. Dezember 2017 angeschafft, hergestellt oder in ein Betriebsvermögen eingelegt werden.

Geringwertige Wirtschaftsgüter gem. § 6 (2) EStG

Geringwertige Wirtschaftsgüter kommen im Handelsrecht nicht vor. Der Begriff entstammt dem Steuerrecht. Laut IDW ist die analoge Anwendung für die Handelsbilanz aber zulässig. Die Anwendung ist in § 6 Abs. 2 und 2a EStG geregelt. Zu den geringwertigen Wirtschaftsgütern (=GWG) zählen abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind und deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten für das einzelne Wirtschaftsgut 800 Euro nicht übersteigen.

Eigenschaften GWG

  • Abnutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter
  • Teil des Anlagevermögens,
  • Zur selbständigen Nutzung fähig
  • Anschaffungs-oder Herstellungskosten >250 € und ≤ 800 €

Die geringwertigen Wirtschaftsgüter müssen gem § 6 (2) S. 4 EStG in ein besonderes laufend zu führendes Verzeichnis aufgenommen werden. Das Verzeichnis braucht nicht geführt zu werden, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind. Die Besonderheit der geringwertigen Wirtschaftsgüter bis einschließlich 800 € ist, dass diese im Jahr der Anschaffung komplett abgeschrieben werden – unabhängig vom Anschaffungstag im Jahr.

Nr. Datum Sollkonto Sollbetrag Habenkonto Habenbetrag
1 01.01. GWG 800,– an Finanzkonto 800,–
2 31.12. Sofortabschreibung 800,– an GWG 800,–

Sind die Netto-Anschaffungs- oder Herstellungskosten > 250 € und ≤ 1.000 € (netto) können diese Wirtschaftsgüter nach § 6 Abs. 2a EStG in einem Jahres-Sammelposten zusammengefasst werden. Dabei sind jeweils jährlich diejenigen Wirtschaftsgüter zu bündeln, die beweglich und abnutzbar sowie selbständig nutzbar sind. Für die Anschaffungen eines jeden Jahres ist jeweils ein separater Sammelposten zu bilden. Der Sammelposten ist pauschal mit 15 pro Jahr abzuschreiben. Dabei ist es unerheblich, wann die einzelnen Wirtschaftsgüter im Laufe des Jahres erworben wurden und ob ein Wirtschaftsgut im Laufe der fünf Jahre entnommen wird, untergeht oder wertlos geworden ist. Im Falle einer Veräußerung oder Entnahme ist der Veräußerungserlös im Zeitpunkt des Zugangs des Veräußerungserlöses bzw. im Zeitpunkt der Entnahme als Betriebseinnahme anzusetzen.

Vorsteuer

Für die Einordnung der geringwertigen Wirtschaftsgüter als solche ist immer von dem Nettobetrag ohne Umsatzsteuer, das heißt vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag gem. § 9b (1) EStG, auszugehen. Dies gilt gem. R 9b (2) S. 1+2 EStR auch dann, wenn der Unternehmer nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Die nicht als Vorsteuer abziehbare Umsatzsteuer gehört in diesem Fall zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Insofern die Regelungen mit dem Sammelpool gewählt wird, gilt dies für alle Wirtschaftsgüter zwischen 250 und 1000 €. Die beiden Verfahren zu den geringwertigen Wirtschaftsgütern können im gleichen Wirtschaftsjahr nicht gemischt werden.

Kommentar

Für jeden Freiberufler oder Unternehmer bietet sich nun die Möglichkeit ab dem 01.01.2018 davon Gebrauch zu machen. Dies hat zum einen einen Vereinfachungseffekt aus der Sofortabschreibung sowie den Liquiditätseffekt zur Folge. Ob sich damit letztendlich in der Summe Steuern sparen, hängt von den Grenzsteuersätzen in den jeweiligen Wirtschaftsperioden ab. Es bleibt im Rahmen der Sofortabschreibung dabei, dass die Anschaffungs- oder Herstellungskosten – wie bei dem Wertverzehr über die Zeit – insgesamt einmal in voller Höhe steuerlich als Aufwendungen berücksichtigt werden.