Gründung eines Unternehmens

14.09.2018 · ca. 5 Minuten Lesezeit

Das Handelsblatt schrieb auf Seite 11 in seiner Ausgabe vom 27. August 2018, »Gründen mit Hindernissen«, dass gerade das Steuerrecht doch viele potentielle Firmengründer abschrecke. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die juristischen Hürden in Deutschland hoch sind. Aber woran scheitert die Gründung denn wirklich? Es stimmt, dass eine tolle Idee allein nicht ausreicht, um sich selbstständig zu machen und am Markt behaupten zu können. Bei den Vorbereitungen für die Neugründung und der Beschaffung der notwendigen Finanzmittel ist an vieles zu denken. Und: vor allem steuerliche Fragen sind von großer Bedeutung. Ohne einen Experten – von Beginn an – wird man Geld verlieren.

Start-up und Existenzgründer brauchen Steuerberatung von Anfang an.

Standortwahl

Ist die Idee für ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung geboren, stellt sich zuerst die Frage des Standortes. Je nach Art der geplanten Unternehmung ist der Ort mehr oder weniger wichtig. Ein reiner IT-Dienstleister kann auch auf der grünen Wiese erfolgreich sein, solange die Infrastruktur eine Anbindung an das WWW möglich macht. Bei Ärzten gibt es wiederum Niederlassungsbeschränkungen und andere Hindernisse, die zu beachten sind. Generell gilt: Bei allen Geschäftsmodellen muss der Existenzgründer die Standortfrage genau prüfen und unbedingt eine Marktrecherche durchführen. Auch die Wahl der Geschäftsräume, die Ausstattung und ggf. die Konkurrenz sind zu berücksichtigen.

Finanzierung sichern

Sind Ort und Räumlichkeiten fest geplant, muss sich das Start-up mit den Finanzmitteln befassen. In den seltensten Fällen steht davon aus eigener Tasche genug zur Verfügung. Gleich zu Beginn muss das junge Unternehmen die Miete zahlen und Investitionsgüter anschaffen. Um an Geldmittel von Banken oder privaten Geldgebern zu kommen, verlangen mögliche Geldgeber zunächst einen Businessplan. Darin wird die Unternehmensidee vorgestellt und der Kapitalbedarf genauer erläutert und begründet. Für Ärzte ist die Geldbeschaffung meist ein kleineres Problem, da die Banken hier großzügiger Kapital zur Verfügung stellen. Schwierig wird es bei kapitalintensiven Fachbereichen, wie Radiologie, Labormedizin oder Humangenetik. Hier kommt dann der Steuerberater ins Spiel und erstellt neben Businessplänen die erforderlichen Planungsrechnungen.

Was ist die beste Rechtsform für mein Start-up?

Die Rechtsformen für Unternehmen sind vielfältig und in Hinblick auf die steuerliche Planung wohlüberlegt zu wählen. Bei den Ärzten ist es einfacher, da diese – meistens – als Freiberufler arbeiten. Die Rechtsform entscheidet auch über die persönliche Haftung des Gründers ebenso wie über die zukünftige Steuerbelastung. Ist der Existenzgründer eine einzelne Person, bietet sich das Einzelunternehmen an. Dementgegen steht die vollumfängliche Haftung des Einzelunternehmers. Aus Haftungsgründen bietet es sich an, eine Kapitalgesellschaft, z. B. in Form einer GmbH oder AG, zu gründen. Dafür sind die Gründungskosten hierbei höher und es müssen mehr formale Vorschriften beachtet werden. Stehen hinter dem Start-up mehrere Gründer, so können diese zwischen den verschiedenen Formen der Personengesellschaft, oHG und KG, sowie der Kapitalgesellschaft wählen. Da ein Rechtsformwechsel später schwierig ist, müssen die verschiedenen Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden. Am besten legt sich das Start-up zu Beginn eine Pro-Contra-Tabelle an.

Business-Plan

Noch vor Gründung des Start-ups muss ein Businessplan erstellt werden. Dazu sind neben der Rechtsformwahl und Finanzierung auch die Aspekte des Marketing darzulegen. In jedem Fall ist der Businessplan mit einem Experten zu besprechen, und zwar bevor er an Kapitalgeber oder andere externe Personen gegeben wird. Der Steuerberater ist dabei ein guter und kompetenter Ansprechpartner.

richtig Bücher führen

Der Einrichtung der Buchhaltung zu Beginn ist von zentraler Bedeutung. Im Allgemeinen macht dies der Steuerberater. Er kann auch Dokumente, wie Kassenbücher auf Papier oder digital, zur Verfügung stellen. Der Finanzbuchhaltung kommt bei der unternehmerischen Tätigkeit eine hohe Bedeutung zu. Auf Basis dieser Zahlen werden später der Gewinn ermittelt und die Steuererklärungen erstellt. Aus handelsrechtlicher Sicht – dies gilt nur für den Kaufmann, nicht für eine Arztpraxis – sind ebenso wie aus steuerlicher Sicht diverse Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten zu erfüllen. Der Steuerberater achtet darauf, dass hier nichts übersehen wird und schützt dadurch vor späteren unliebsamen Überraschungen.

Kostenrechnung

Für die Preisgestaltung und für die Steuerung des Unternehmens ist der Zugriff auf aktuelle Kennzahlen wichtig. Die meisten Zahlen stammen aus der Finanzbuchhaltung. Über eine Abgrenzungsrechnung dienen diese Werte ebenso der Preisgestaltung. Eine Erfolgs- und Liquiditätsplanung garantiert, dass sich keine unerwarteten Finanzlücken auftun, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden können. Über das Controlling und durch den Vergleich von Ist- und Planzahlungen finden sich schnell Hinweise auf Fehlentwicklungen im Unternehmen. Dann muss das Start-up schnell gegensteuern. Zahlen aus dem Benchmarking sind dabei ebenso hilfreich. Hier kann oft auch der Steuerberater weiterhelfen, beispielsweise über eigene Branchendaten oder über die von DATEV.

Steuerliche Fragen

Unternehmer müssen viele Steuerarten kennen. Es ist für den Laien unmöglich, hier den Überblick zu bewahren. Ohne Steuerberater geht das auch im kleinen Unternehmen im Allgemeinen nicht. Die Einkommensteuer bezahlt der Einzelunternehmer, Freiberufler und Gesellschafter einer Personengesellschaft. Sie fällt auf den ermittelten Gewinn an. Die Körperschaftsteuer ist die Ertragsteuer der Kapitalgesellschaften, also der GmbH und AG. Die Gewerbesteuer zahlen alle Gewerbebetriebe, aber nicht die Freiberufler mit Einkünften gem. § 18 EStG. Neben den Ertragsteuern spielt die Umsatzsteuer eine zentrale Rolle. Hier ist bei Fachärzten und Zahnärzten zu beachten, dass sich Umsatzsteuer pflichtige und befreite Leistungen mischen können. Die gesetzlichen Leistungen nach der gesetzlichen Krankenkasse sind im allgemeinen gem. § 4 Nr. 14 UStG von der Umsatzsteuer befreit. Für ein Dienstleistungsunternehmen oder produzierendes Start-up ist es hier evtl. einfacher. Komplex wird es dann, wenn grenzüberschreitende Lieferungen und Leistungen erfolgen. Auch bei digitalen Start-ups nimmt die Komplexität beim Umsatzsteuergesetz erheblich zu. Es gilt: Die in den Rechnungen ausgewiesenen Steuerbeträge müssen durch die Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt abgeführt werden. Im Gegenzug kann das Start-up die auf bezogene Leistungen gezahlten Umsatzsteuerbeträge als Vorsteuer abziehen. Kleinunternehmer haben gem. § 19 UStG optional die Möglichkeit, keine Umsatzsteuer zu berechnen, können dafür dann aber auch die ihnen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer abziehen. Dieser Bereich sollte unbedingt an einen Steuerberater ausgelagert werden, auch schon aus Haftungsgründen.

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