Professorentitel

22.02.2018

Ausgaben für die Vermittlung eines Professorentitels sind keine Betriebsausgaben im Sinne von § 4 (4) EStG, insofern diese Ausgaben nicht unmittelbar mit den Betriebseinnahmen in Zusammenhang stehen. Das Urteil kann man kritisch sehen.

Urteil: Finanzgericht Münster, 4 K 1891 / 14 F

Zum Sachverhalt

Im Urteil ging es um einen niedergelassenen Zahnarzt mit Einkünften aus selbständiger Arbeit gem. § 18 (1) Nr. EStG. Dieser erhielt über eine Vermittlungsfirma den Professorentitel einer ungarischen Universität. Dazu zahlte der Zahnarzt für die Vermittlungsleistung ein Honorar von 47.600 €. Der Arzt machte diese Ausgaben bei seinen §18-Einkünften als Betriebsausgaben i.S.v. § 4 (4) EStG geltend. Die Leistung der Vermittlungsfirma bestand aus der Vermittlung von entsprechenden Kontakten, der Beratung des Klägers sowie der Übernahme organisatorischer und administrativer Tätigkeiten bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens. Im März 2009 erhielt der Zahnarzt eine Gastprofessor an der Humanmedizinischen Fakultät der ungarischen Universität mit Verleihung eines entsprechenden Titels. Der Zahnarzt verpflichtete sich zur Lehrtätigkeit, Doktorandenbetreuung, administrativen Aufgaben und klinischen Foschung. Ein Honorar seitens der Universität erhielt der Zahnarzt nicht. Das Finanzamt erkannte den Betriebsausgabenabzug mangels Bezug zu den Einkünften als Zahnarzt nicht an, woraufhin sich im Klageverfahren das Finanzgericht Münster mit dem Fall beschäftigt.

Kernfrage

Ist das Vermittlungshonorar als Werbungskosten bei den Einkünften aus zahnärztlicher Tätigkeit abzugsfähig?

Zur Begründung

Das Finanzgericht Münster bestätigte die Meinung des Finanzamtes. Die Ausgaben für die Vermittlung der Professur seien der Lehrtätigkeit in Ungarn zuzuordnen und bei dieser fehle die Absicht zu Einkünfteerzielung. Ein ergänzender kausaler Veranlassungszusammenhang zu den §18-Einkünften aus der Tätigkeit als Zahnarzt bestehe nicht oder zumindest nicht in relevanten und damit aufteilbaren Umfang. Durch den Prestigegewinn aufgrund der Führung einer Professorenbezeichnung sei auch die Privatsphäre betroffen; eine Aufteilung sei daher nicht möglich.

Kommentar

Inwiefern in der heutigen Zeit solche Titel im privaten Umfeld nicht eher hinderlich als förderlich sind kann der Autor aus eigener Erfahrung berichten. Den Erwerb eines akademischen Titels der privaten Lebensführung zuzuordnen ist nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr ist eine Professur, wie die Bezeichnung doch selbst schon aussagt, der beruflichen Tätigkeit zuzuordnen. Auch die werbende Komponente für einen Arzt mit einem Professorentitel spielt eine zentrale Rolle.

Quellen