Fallstudie: Erweiterung Facharztpraxis – Dr. Rose

20.03.2018 · ca. 4 Minuten Lesezeit

Die Case Study »Dr. Rose« befasst sich mit der Erweiterung einer Facharztpraxis durch Expansionen an andere Standorte.

Der Mandant

Unser Mandant war bereits sehr erfolgreich mit seiner Facharztpraxis im Norden von Deutschland tätig. Er hatte 30 (entspricht 23,5 Vollzeit) fest Angestellte und erzielte einen Jahresumsatz von 3,9 Millionen Euro. Der Facharzt betrieb die Praxis als Gemeinschaftspraxis mit einer Kollegin. Im Herbst vor zwei Jahren kontaktierte er uns, um mehr über die Möglichkeiten der Erweiterung seiner Facharztpraxis zu erfahren. Ihm schwebte vor, Filialpraxen zu eröffnen bzw. ggf. im Verbund mit Kollegen ein größeres Netzwerk zu etablieren.

Die Kernfragen

Der Mandant wandte sich mit folgenden Fragen an uns:

  • In welcher Rechtsform soll die Praxis weiter betrieben werden, wenn mehrere Standorte und andere ärztliche Kollegen hinzukommen?
  • Wie können Wirtschaftsgüter von anderen Praxen in den neuen »Verbund« transferiert werden?
  • Werden durch die Aufnahme neuer Ärzte und / oder Standorte Gewinne im steuerlichen Sinne realisiert?
  • Wie kann der Bekanntheitsgrad der neuen Praxis gesteigert werden?
  • Unter welchem Branding soll die Praxis in der Zukunft auftreten, was passiert mit der Außendarstellung der neuen Praxen an den neuen Standorten?

Prämissen

Der Mandant nannte verschiedene Prämissen, die im Rahmen der Neustrukturierung zu erfüllen waren:

  1. Die bereits vorhandene Kollegin möchte sich aus Haftungsgründen anstellen lassen und nicht mehr freiberuflich tätig sein.
  2. Es sind Neuinvestitionen in Diagnostikgeräte in Höhe von 2,5 Millionen Euro geplant.
  3. Es gibt bereits zwei ärztliche Kollegen, einer in Mittel- und ein zweiter in Ost-Deutschland, die sich an dem Verbund beteiligen wollen.

Unser Beratungsauftrag

Es waren für den Mandanten die oben genannten Kernfragen unter Beachtung der Prämissen zu beachten.

Wahl der Rechtsform

Unter der Vielzahl von gesellschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten wurde die Partnerschaftsgesellschaft als die beste Option angesehen. Gem. § 1 (1) PartGG ist die Partnerschaft eine Gesellschaft, in der sich Angehörige Freier Berufe zur Ausübung ihrer Berufe zusammenschließen. Sie übt kein Handelsgewerbe aus. Die Tätigkeit ist nicht gewerblich i. S. v. § 15 EStG, weder auf der Ebene der Gesellschaft noch auf der Ebene der Gesellschafter. Angehörige einer Partnerschaft können nur natürliche Personen sein. Die Partnerschaftsgesellschaft ist speziell für Freiberufler von zentraler Bedeutung. Nachteil ist: Grundsätzlich haften bei einer PartG alle Partner gesamtschuldnerisch und persönlich. Hier waren vertragliche Regelungen derart möglich, dass ein Fehler einer einzelnen Person nicht auf alle Partner übergreift. Zur Gründung einer PartG war ein schriftlicher Vertrag nötig. Vorteil: Diese Form der Gesellschaft hat ein gutes Image bei Kapitalgebern, Kunden etc., da alle Partner im Außenverhältnis voll haften. Die bereits vorhandene Ärztin der Facharztpraxis am Stammsitz wurde im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses beschäftigt und damit von der Haftung ausgeschlossen. Sie war darüber hinaus als stille Gesellschafterin weiterhin beteiligt.

Integration der anderen Standorte

Die KV-Zulassungen der anderen Standorte wurden in die Partnerschaft integriert. Über eine komplexe Regelung in den Verträgen wurden die Zuordnungen und Vergütungen der einzelnen Gesellschafter geregelt. Das Personal wurde zwar den einzelnen Standorten zugeordnet, wurde aber bei Bedarf und Engpässen auch flexibel transferiert.

Finanzierung und Modernisierung

Für jeden Standort wurde ein Finanzierungsplan erstellt. Einer der beiden neuen Standorte war sehr modern und hatte keinen Finanzierungsbedarf. Ein anderer Standort wurde komplett erneuert. Die Diagnostik wanderte – soweit das mögich war – in den Zentralstandort. Dadurch wurde die teure Investition in doppelte Gerätschaft vermieden und die Auslastung am Hauptstandort optimiert. Dies allein führte zu Einsparungen von ca. 140.000 € pro Jahr.

Transfer von Wirtschaftsgütern

Durch die Beteiligungen der einzelnen Ärzte als Partner an der neu gegründeten Partnerschaftsgesellschaft wurden die in den Einzelpraxen nach § 6 (5) EStG in die PartG transferiert. Die Aufdeckung stiller Reserven und eine damit verbundene Gewinnrealisierung wurde dadurch vermieden. Diese Vorgänge waren für alle Beteiligten damit steuerlich nicht relevant.

Marketingkonzept

Für alle Standorte wurde ein gemeinsames Branding entwickelt. Das war wichtig, um so den Zusammenschluss zu kommunizieren. Auch konnten dadurch Patienten und Proben optimal logistisch verteilt werden. 90% aller Proben werden aber immer noch am Hauptsitz bearbeitet. Über ein eigenes Logistiksystem erfolgt dies binnen 6 Stunden ab Entnahme.

Der aktuelle Trend geht in Richtung Fokussierung, Spezialisierung und Globalisierung. Diesen Trend hatte der Mandant bereits eigenständig erkannt. Über den Zusammenschluss der bis heute insgesamt sechs Facharztpraxen konnte eine Umsatzsteigerung binnen 5 Jahren von 10–15% pro Jahr erzielt werden in Bezug auf den ursprünglichen Jahresumsatz der Einzelpraxen. Der Gewinn steigerte sich durch die Effizienten sogar um 18–25% pro Jahr.