Unternehmenssimulation und Planspiele

01.04.2019 · ca. 4 Minuten Lesezeit

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Mein Abteilungsleiter hatte die Drei-Tages-Variante in den Räumen bei der ELSTE Steuerberatung gebucht. Der Vormittag am Tag 1 beginnt mit einer Fahrstuhlfahrt in den dritten Stock eines freundlichen Geschäftshauses gegenüber dem Bad Homburger Hauptbahnhof. Drinnen führt ein langer Flur in einen ansprechend eingerichteten Besprechungsraum. Wir sitzen an einem alten Holztisch zusammen, es gibt Kaffee, Tee und Brownies, an der Wand hängt ein riesiger Bildschirm, auf dem Fotos von vergangenen Workshops durchlaufen. Wir werden von Prof. Elste begrüßt, den Titel möchten wir bitte weglassen. Er macht einen sympathischen, bodenständigen Eindruck. Was uns die kommenden Tage hier bevorsteht klingt nach Arbeit im Team und Spiel. Aber geht so etwas überhaupt? Es gibt eine kleine Einführung, ein paar Erläuterungen und dann geht es direkt los. Wir müssen fachliche Themen in Rekordzeit vorbereiten. In nur 60 Minuten widmet sich jeder in unserem Team einer Aufgabe. Ich habe den Bereich »Vertrieb« als Thema vorzubereiten. Dazu kommen wir alle in einen Meetingraum, auf einem Low-Board stehen frisches Obst, Laugenbrezeln und Getränke. Die Zeit ist knapp und wir vergessen schnell alles, denn die Materie zieht uns direkt in den Bann. Nach 60 Minuten treffen wir uns erneut im Meetingraum, die Kolleginnen und Kollegen haben die anderen Themen, wie F&E, Einkauf, Fertigung, Personal und Rechnungswesen vorbereitet. Jedes Team muss in fünf Minuten die Inhalte kurz vorstellen. Wir präsentieren im Rekordtempo, mit Erfolg. Der Organisator erläutert ein paar Punkte dazu, nennt häufige Fallstricke und gibt Tipps für den Einstieg. Im Anschluss geht es direkt los, wir bekommen Wirtschaftsprognosen und müssen von jetzt an unser Unternehmen planen. Insgesamt sind drei Unternehmen am Start. Auf wenigen Quadratmetern Raum sollen wir nun über den weiteren Verlauf eines Unternehmens entscheiden. Es handelt sich um ein Unternehmen, das Smartphones herstellt. Wir arbeiten uns tiefer in die Materie, stellen Berechnungen an, schreiben mehrere Whiteboards, das ganze nimmt nun an Fahrt an. Wir sind zu fünft im Team, jeder hat seinen Aufgabenbereich und weder Ausbildung noch Alter spielen plötzlich eine Rolle. Wir sind ein Team. Unser Zeithorizont beträgt vier Stunden. Punkt 14 Uhr haben wir unsere Entscheidungen in einem Formular einzutragen und abzugeben. Wir planen den Kauf von Produktionsmaschinen, die Einstellung von Personal und überlegen welche Produkte wir entwickeln. Die Komplexität der Entscheidungen erschlägt einen. Um 13:55 Uhr haben wir das Formular aufgefüllt und bringen es in das »Beratungszimmer« zu Prof. Elste.

Um 14:30 Uhr kommt die Wahrheit in Form einer Kurzpräsentation mit den Zwischenergebnissen nach dem ersten Wirtschaftsjahr. Alle Unternehmen sind noch am Markt. Wir sind durch unsere Preisstrategie leicht nach vorne gerutscht und haben Marktanteile erkämpft, ein unglaubliches Gefühl. Zeit zum Verschnaufen haben wir kaum. Zwischen den Planungen wurden wir mit Snacks versorgt, eine echte Mittagspause gab es nicht. Wir hatten aber alle die Zeit vergessen und stürzen uns gleich in das nächste Wirtschaftsjahr. Die Stunde schlägt 18 Uhr, aber die Nacht ist lang. Es wird ein Marketing-Award ausgerufen, genau mein Thema. Erst um 21 Uhr sind wir mit der Präsentation für den kommenden Tag fertig. Es hat alles brillant geklappt und wir sind stolz auf unsere Arbeit. Die Drei Tage vergehen wie im Fluge. Am Ende des dritten Tages lässt der Spielleiter uns rasch unsere Eindrücke in Form der Hauptversammlung präsentieren. Wie war unsere Kommunikation, wie haben wir die Entscheidungen getroffen, konnten wir einander zuhören? Mein Fazit: Ein tolles Wir-Gefühl, Zusammenhänge aus der freien Wirtschaft waren mir noch nie so gegenwärtig.

Meinungen der Experten

Aber lassen sich wirtschaftliche Zusammenhänge so einfach und spielerisch erläutern, und lässt sich so die gemeinsame Arbeit besser machen? Prof. Elste führt seit vielen Jahren Planspiele durch. Er steht den Unternehmenssimulationen positiv gegenüber. „Es ist im Grunde kein »Spiel«, es ist Wirtschaft zum Anfassen und vor allem zum Ausprobieren“, sagt er. Auch als Team-Building-Maßnahme sind die Planspiele sehr gut geeignet. Die Motivation der Teilnehmer ist hoch. Hinzu komme: „Der Transfer heraus aus der Simulation rein in den normalen Alltag ist einfach, da die Unternehmenssimulationen die Komplexität im realen Geschäftsleben sehr gut abbildern.“ In der Tat: Die Aufgaben im Planspiel haben enorm viel mit dem Business-Alltag zu tun. Dabei werden endlich sogar Zusammenhänge erkannt, die vorher gar nicht zu sehen waren. „Es gilt eben: Probieren geht über studieren“, sagt Prof. Elste.

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