Verkauf eines Unternehmens

  • Eintrag von ELSTE
  • 14.02.2020
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Die Zahnärztin und Implantologin ist seit über 30 Jahren beruflich tätig. Altersbedingt plante sie den Verkauf ihrer Zahnarztpraxis an einen jüngeren Kollegen. Nach einer mehr als zweijährigen Suche konnte sie einen zuverlässigen und ihren Ansprüchen genügenden Nachfolger finden. Fr. Dr. Dentin wandte sich daher an ihren Berater, den Verkauf der Praxis vorzubereiten.

Dabei war ihr wichtig, dass sie aus allen Verpflichtungen nach Übergabe der Praxis entbunden war. Ebenso wollte sie einen klaren Schnitt ziehen und beispielsweise nicht mehr aktiv als Zahnärztin aus gesundheitlichen Gründen weiterarbeiten.

Die Kernfragen

Die Ärztin wandte sich mit folgenden Fragen an ihre Berater:

  • Welchen Wert hat meine Zahnarztpraxis?
  • Was für einen Veräußerungsgewinn hat die Zahnärztin zu versteuern?
  • Wie erfolgt der Verkauf am besten, also Einmalzahlung oder in Raten?
  • Welche rechtlichen Dinge beim Verkauf sind zu beachten, beispielsweise Übergabe des vertraulichen Patientenstammes?
  • Was ist mit dem Praxisinventar?
  • Wie kann eine Übergangszeit zur Einarbeitung des neuen Kollegen aussehen und was hätte das für steuerliche und rentenversicherungsrechtliche Konsequenzen?
  • Wie kann die Finanzierung beim neuen Kollegen so aussehen, dass keine Risiken entstehen?

Prämissen

Die Zahnärztin nannte verschiedene Prämissen, die im Rahmen des Verkaufs zu erfüllen waren:

  1. Die Weiterarbeit und Übergabe sollte 10–12 Monate betragen.
  2. Die Besteuerung sollte vor allem in der Zukunft möglichst gering ausfallen.
  3. Es sollten keinen Haftungsprobleme nach dem Verkauf mehr auftreten.

Inhalte eines Beratungsauftrags

Es waren für den Mandanten die oben genannten Kernfragen unter Beachtung der Prämissen zu beachten.

Ermittlung des Praxiswertes

Es gibt unzählige Verfahren zur Berechnung des Wertes einer Arzt- oder Zahnarztpraxis. Bei klassischen Unternehmen kommt in der Regel das Ertragswertverfahren gem. §§ 199 ff. BewG zu Anwendung. Bei Schenkungen oder im Erbfall ist es gesetzlich vorgeschrieben. Für die Bewertung im Falle eines Verkaufs gibt es eine Vielfalt von Bewertungsmethoden und -ansätzen, die dem betroffenen Arzt eine Beurteilung der Bewertungsergebnisse erschweren.

Das Substanzwertverfahren

Unter dem Substanzwert versteht man den Wert aller Wirtschaftsgüter, aus denen die Arzt- oder ZahnarztpraxisPraxis besteht. Der Substanzwert setzt sich zusammen aus:

  1. materielle Wirtschaftsgütern
  2. immaterielle Wirtschaftsgütern
Materielle WG

Zu den materiellen Wirtschaftsgütern zählt das gesamte Inventar der Praxis, bewertet zum aktuellen Wiederbeschaffungspreisen abzüglich der tatsächlichen, durch Abnutzung aufgetretenen Wertminderungen. Bei der Beurteilung der Wertminderungen sind der technische Zustand der Einrichtungsgegenstände, Geräte und Materialien von Bedeutung, sowie die Funktionalität im Hinblick auf zu erbringende Tätigkeit.

Immaterielle WG

Darunter versteht man den Praxiswert (Goodwill). Dieser Wert taucht in den Bilanzen nur bei entgeltlichem Erwerb gem. § 246 (1) S. 4 HGB auf. Bei einer Zahnarztpraxis wie in unserem Fall, wurde keine Bilanz erstellt, sondern nur eine Einnahmenüberschussrechnung. Den Wert anhand anderer Verfahren zu ermitteln, ist komplex und immer ungenau. Man behilft sich mit Messzahlen aus der Bilanz bzw. der Einnahmenüberschussrechnung, beispielsweise der Umsatz oder der Gewinn.

  • Berechnungsbasis Umsatz: Man addiert die Umsätze der letzten 3 Jahre, teilt diese durch drei und legt dann 20–30 % als Goodwill fest.
  • Berechnungsbasis Gewinn: Verfahren wie oben, aber mann nimmt beispielsweise 50–60% des durchschnittlichen Gewinns an.

Für die Wertermittlung der Zahnarztpraxis wurde sich für die Substanzwertermittlung entschieden: Das war für die Ärztin kostengünstig durchführbar. Bei der Ermittlung des Praxiswertes wurden die Umsätze der letzen fünf Jahre ermittelt und von dieser Summe dann ein Fünftel als Durchschnittsumsatz definiert. Der immaterielle Praxiswert wurde aufgrund der zentralen Lage der Zahnarztpraxis auf 25% festgelegt.

Besteuerung

Der Gewinn aus der Veräußerung der Zahnarztpraxis gehört gem. § 18 (3) S. 1 EStG zwar zu den Einkünften aus selbstständiger Arbeit. A.a.O. S.2 gelten hier die Begünstigungen gem. § 16 (4) EStG. Dazu wurde ein Antrag gestellt, da die verkaufende Zahnärztin bereits 64 Jahre alt war. Der Freibetrag beträgt 45.000 EUR. Der steuerpflichtige Teil des Veräußerungsgewinns wurde mit einem ermäßigten Steuersatz von 56 % des durchschnittlichen Steuersatzes, mindestens mit 14 %, besteuert.

Marketing neuer Inhaber

Für den übernehmenden Zahnarzt wurde gemeinsam mit einer Grafikerin ein Basispaket für Corporate Design mit dem dazugehörigen CD-Handbuch erstellt. Ergänzend dazu entwarfen die Marketingexperten eine neue Homepage mit umfassenden Informationen sowie einer Online-Terminvereinbarung. Die Praxis hat sich seit der Übernahme sehr gut entwickelt. Die Umsätze konnten binnen sechs Monaten um 14,8% gesteigert werden.

Das Handbuch mit den Designs